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Wie alles begann

Wie alles begann oder aller Anfang ist schwer

Es war im Jahre 1984, ich war gerade 12 Jahre alt, als ich endlich einem Angelverein beitreten durfte.In den ersten 2 Jahren steht den Junganglern in diesem Verein ein Gewässer zur Verfügung, an dem man ohne Prüfung und ohne Aufsicht angeln durfte. Schon Jahre zuvor hatte ich sehr großes Interesse an diesem schönen Hobby für mich entdeckt. Als kleiner Junge hatte ich den ersten Kontakt mit Aquarium Fischen, dort wurde mein Interesse vermutlich geweckt, ich züchtete Barsche oder viele verschiedene Arten an lebend gebärenden Fischen wie Guppys, Black Mollys und viele mehr.
Die Erfolge in den ersten Jahren meiner Laufbahn als Angler, waren oft sehr bescheiden. Es wurde allem nachgestellt was Flossen hatte. Rotaugen, Schleien, Aale und natürlich Karpfen gehörten zum Objekt der Begierde. Im nach hinein bin ich sehr dankbar über diese lehrreiche Zeit, denn es geht nichts über eine gute Grundausbildung, die heutzutage vielen Karpfenanglern fehlt. Mit sehr bescheidenen Mitteln wurde Lockfutter aus Paniermehl mit Aroma wie Bittermandel oder ähnlichem hergestellt. Es gingen aber für damalige Verhältnisse schon mal der eine oder andere „ kapitale Fisch“ an die Rute. Zu der Zeit waren Karpfen jenseits der 50cm Marke wirkliche Giganten, der Traum war zu der Zeit mal einen Fisch zu überlisten der die 10 Pfund Marke erreichte. An zu wenig Aufwand konnte es zu der Zeit nicht gelegen haben, denn jede freie Minute verbrachte ich am Wasser. Einige hielten mich wahrscheinlich schon damals für total verrückt, aber sind das wir nicht alle?
Entweder ganz oder gar nicht, ich mag keine halben Sachen.
Mit 14 Jahren wurden meine Horizonte erweitert, denn die Fischerprüfung wurde abgelegt. Somit durfte ich endlich auch den Raubfischen nachstellen und außerdem standen mir neue Gewässer zur Verfügung die ich alleine, und ohne Aufsicht befischen durfte. Ich erkundete die mir zur Verfügung stehenden Gewässer, wobei ich einen kleinen Fluss direkt vor meine Haustür besondere Aufmerksamkeit widmete. Bewaffnet mit einer Lotrute wurden das gesamte Streckenstück auf untiefen überprüft, doch Schwierigkeiten machte mir zu der Zeit die Fließgeschwindigkeit. Denn wo sollte das Futter eingeworfen werden, damit es an der richtigen Stelle liegen bleibt? So wurde mit dem Futter getestet, die Köder wurden ausgelegt, und tatsächlich es funktionierte. Die ersten Flussfische wurden überlistet, im Verhältnis wurden die Durchschnittsgewichte auch größer als in den stehenden Gewässern die ich zuvor beangelt habe.Es wurden bei fast jedem Ansitz Karpfen von 5 bis 7 Pfund überlistet, was zu der Zeit schon beachtlich war, die aber zum größten Teil auch damals schon bei mir den Weg zurück ins Wasser fanden. Ich bemerkte nicht wirklich das mich zu der Zeit das Virus schon gepackt hatte, es macht einfach nur Spaß größere Fische zu fangen als die anderen Angler, und es war so einfach. Vielleicht sollte noch erwähnt werden das der Erfolgsköder nicht der Boilie, sondern ganz einfacher Dosenmais war. Bissanzeiger oder eine Montage zum Selbst haken gab es zu der Zeit bei mir noch nicht, das nahm erst 1988 eine Wende. In allen Zeitschriften wurde von einem neuen Köder berichtet, mit dem man selektiv nur noch große Karpfen fangen könnte. Neugierig darauf was sich dahinter verbirgt, und ob das wirklich funktioniert, besorgte ich mir bei meinem Gerätehändler die erste fertige Boiliemischung (fertige Boilies gab es bei uns noch nicht). Es wurde 1 Kg Mehl von Hand zu runden Ködern gerollt, die ich so zubereitete, wie es auf der Verpackung stand. Als sie nun fertig vor mir lagen, irgendwie nicht besonders vertrauenerweckend, weil sie so extrem hart waren, zweifelte ich an der Fängigkeit des Wunderköders. Der erste Futterplatz wurde aber trotzdem mit einigen Boilies gefüttert, aber nur eine Handvoll denn mehr war finanziell nicht drin. So kam der Tag als ich zum ersten mal mit Boilie am Harken( auch schon am Haarvorfach) fischen wollte, nicht wirklich überzeugt entschied ich mich, eine Rute mit Mais und die andere mit Boilie zu fischen. So hatte ich wenigstens eine Rute im Wasser, der ich voll vertraute. Wie sollte es auch anders sein, an diesem Tag ging auf dem Wunderköder nichts. Es folgten viele weitere Ansitze, ohne auch nur den geringsten Fischkontakt. Ich kann mich noch genau daran erinnern, es war ein Freitag, irgendwie war ich total heiß aufs Angeln. Nachmittags ging es aufs Fahrrad und ran ans Wasser, die Ruten wurden in einer Bucht ausgelegt, in der kaum Strömung herrschte. Nach einer halben Stunde bekam ich einen Biss auf Mais, doch was sich da zeigte war nicht etwa ein Karpfen oder ein Brassen, nein es war ein Aal von gut 60 cm, der sich den Mais schmecken ließ. Die Rute wurde neu beködert, und an ihrem Platz abgelegt. Etwa eine Stunde später hörte ich im Hintergrund ein mir ungewöhnliches Geräusch, beim richtigen nachsehen stellte ich fest, es war die Grundrute, die etwa 10 Meter entfernt von mir lag. Ich hatte tatsächlich einen Biss auf dem Wunderköder, wahnsinnig aufgeregt lief zur Rute, und setzte den Anhieb. Nach einem relativ unspektakulären Drill, lag er nun vor mir, mein erster Boiliekarpfen. Vor lauter Aufregung bemerkte ich gar nicht, das ich schon einen Zuschauer hatte, es war ein bekannter Angler, der mir zum Fang gratulierte. Aber seine Worte liegen mir noch heute in den Ohren ( es ist ja schon über 20 Jahre her)

„ Den muss du nicht töten, das ist viel zu schade“

Dieser Angler hatte in seinem Auto eine große Wanne, die zum Transport seiner Hechte diente, damit wollten wir den Karpfen zur Waage unseres Gerätehändlers bringen, um ihn danach wieder in sein Element zurück zu setzten. Beim Angelgeschäft angekommen erfuhren wir das genaue Gewicht des Karpfens, ein neuer Rekord für mich, der Fisch brachte stolze 12 Pfund auf die Waage. Der Boilie hat sein Ziel nicht verfehlt, auch wenn er etwas an Überzeugung benötigte. Wir diskutierten mit unserem Angelgerätehändler darüber was mit dem Fisch passieren sollte, und entschlossen uns ihn in einen neu an gepachteten Gewässer zu besetzen, in dem er sich mit Sicherheit gut fortpflanzen könnte. Leider habe ich nie wieder was von diesem Fisch gehört, aber es besteht immer noch die Möglichkeit das er in diesem Gewässer sein Unwesen treibt. Denn für gewöhnlich wurden zu der Zeit alle großen Fische abgeschlachtet, und zur Waage gebracht, aber ein Spiegelkarpfen aus diesem Gewässer war nie dabei.

So verging das Jahr, und ich konnte noch 6 weitere „Boiliekarpfen“ in diesem Sommer fangen, die mit Gewichten bis 10 Pfund weit über den Durchschnitt lagen.
Da der Erfolg nun ja auch konstanter wurde, man verdiente sein eigenes Geld und der Markt entwickelte sich auch weiter, wurde Geld in neue Geräte investiert. Es wurden elektrische Bissanzeiger gekauft, der erste Boilieroller fand den Weg in die Einkaufstüte, mit dem ich jetzt etwas schneller meine Köder herstellen konnte. Diesen Roller besitze ich noch heute, auch wenn er nicht mehr im Einsatz ist, aber es gibt Sachen von denen ich mich nicht trennen möchte.
Im Winter 1988/89 ging es das erste mal auf große Fahrt, ein Bekannter Angler nahm mich mit nach Frankreich. Wir wollte dort eine Woche zum Lac de Casien, um dort den Karpfen auf die Schuppen zu rücken. Doch dort angekommen, spielte das Wetter überhaupt nicht mit, so beschloss mein Bekannter sich wieder ins Auto setzen und weiter zu fahren. Die Fahrt sollte nun nach Spanien zum Ebro gehen, unterwegs erzählte mir Hannes, so hieß mein Bekannter, mir Geschichten von diesem Fluss, die ich fast nicht glauben konnte. So sollten dort wahre Sternstunden möglich sein, Massenfänge seien dort an der Tagesordnung. Nun ja, nach über 20 Stunden Autofahrt waren wir am Ziel, total erschöpft kümmerten wir uns vor Ort erstmal um eine Unterkunft. Hannes der schon einige male dort war, wusste genau an wem er sich wenden musste, so das dieses Problem schnell aus der Welt war. Nachdem wir uns von der anstrengenden Fahrt erholt hatten, ging es erstmal ans Wasser, dort angekommen bekam ich den Fluss zum ersten mal zu sehen.
Die warme Luft war sehr angenehm, etwa 20°C und das im Januar, das Wasser des Ebros war eher mit einer braunen Brühe zu vergleichen. Das waren für mich die erste Eindrücke, die auch heute noch für mich in Erinnerung geblieben sind.
Wir wollten nun aber endlich angeln, die Ruten wurden beködert und fanden das erste Mal den Weg ins Wasser. Es dauerte keine 10 Minuten als die Rutenspitze den ersten Biss signalisierte,und schon lag der erste Ebrobulle vor uns. Von Tag zu Tag bekamen wir mehr Fischkontakte, wir zählten einmal in nur einer Stunde 63 Karpfen die wir mit 4 Ruten fangen konnten. Wir hatten die Fische aber nicht gewogen nur gemessen, die längsten von ihnen waren etwa 80cm lang. Aber da sie alle dem Wildkarpfen ähnelten, war jeder Drill ein Erlebnis. So verlief die Woche sehr schnell und wir traten die Heimreise an. Von da an war es absolut um mich geschehen, und wusste mein Zielfisch Nr.1 war der Karpfen. Ich hatte nun vollstes Vertrauen in meine Rigs, bessere Praxis Erfahrungen konnte ich sonst nirgendwo machen, als hier am Ebro.
Gut vorbereitet für die neue Saison startete ich voll motiviert durch, und konnte das im Winter dazu gelernte auch an unseren Gewässern umsetzten. Doch solche Stückzahlen wie es am Ebro möglich war zu fangen, werde ich wohl nicht wieder erleben. Zum einen ist der Bestand mittlerweile durch den starken Welsbestand sehr dezimiert worden, zum anderen würde ich durch größere Köder versuchen die kleineren Karpfen zu selektieren.
So vergingen die Jahre, man wurde mobiler und suchte neue Herausforderungen. Ich fischte einige Jahre sehr aktiv in Holland und Frankreich, lernte mit der Zeit viele interessante Leute kennen, durch diese wurde meine Angelei stark geprägt.
Inzwischen ist aus der Karpfenangelei an ganzer Industriezweig entstanden, jeder der mit diesem Hobby heute anfängt, hat es um Längen einfacher, als Diejenigen die es vor 20 Jahren begonnen hatten. Es gab kaum brauchbare Lektüre, Köder oder Zutaten waren auch noch sehr schwer zu beschaffen und außerdem sehr teuer. An das Internet hatte noch keiner gedacht, es war einfach noch nicht in diesem Umfang vorhanden. Um Nächte am Wasser zu verbringen, musste ein Campingstuhl für den nötigen Luxus sorgen, als Windschutz diente ein einfacher Angelschirm. Funkbissanzeiger waren ein absolutes Fremdwort, Swinger gab es auch noch nicht, früher dienten Kletteraffen als Bisserkennung. Das alles ist mit der heutigen Entwicklung nicht mehr zu vergleichen, viele haben es fast bequemer am Wasser, als andere es zu Hause haben.
Ich selbst konnte dem Fortschritt auch nicht entfliehen, und muss sagen das viele Zubehörteile die Angelei sehr vereinfachen. Aber wiederum gibt es Sachen die fast keiner braucht, wofür aber sehr viel Geld ausgegeben wird, bestes Beispiel: Futterboote. Mir gehen die Nackenhaare hoch wenn ich sehe, das selbst an Gewässern die vielleicht 60 Meter breit sind, ein Futterboot zum Einsatz kommt.

Hiermit beende ich aber diesen Bericht, und hoffe allen Lesern einigermaßen meinen Werdegang vermittelt zu haben. Und vielleicht könnt ihr euch jetzt vorstellen was für mich dieses Hobby bedeutet, in diesem Sinne.

Euer Thomas Streekmann