Von Christian Stindt
Tief ins Glas geschaut
In Zeiten der Instantkarpfenangler und Käufermentalität sollen hier in unregelmäßigem Abstand ein paar Bastelanregungen mit doch recht unterschiedlichem Praxisnutzen, aber immer Platz für Eigeninitiative und Tüftelspaß vorgestellt werden. Der erste Teil dieser Reihe ist für alle, die tiefe, trübe Gewässer befischen und keine Boote nutzen dürfen…
– völlige Zeitverschwendung.
Sehr trendy dagegen ist die Betonung der „Location“. Sie ist gegenwärtig für alle und schon immer das Allerallerallerwichtigste. Deshalb immer die Wettläufe zu Sandbank, Buschreihe und Seerosenfeld, die schon zwanzig Jahre zugebombt werden.
Jetzt wäre es als kollegengeplagter, langsamer Angler mit weniger Freizeit doch toll, wenn man etwas direkter nach Karpfenaufenthaltsorten suchen könnte! – Aber wonach suchen wir eigentlich genau? Freigewedelte Sandplätze, Scheuerstellen, Krautwirrwarr, Fraßlöcher, vielleicht sogar Naturnahrung wie Krebsansammlungen, Muschelarten etc. – (ich würde liebend gerne Bilder präsentieren. Wer spendet für einen Polarisationsfilter?) Dumm nur, dass diese Plätzchen meistens vom Ufer aus nur ziemlich schlecht zu erkennen und noch schlechter anzuwerfen sind.
Stillos, aber manchmal ziemlich erfolgreich, ist hier der Einsatz von Booten oder besser Bötchen und einem Unterwasserfernglas; einem so genannten „Aquascope“, mit dem Montagen sauber abgelegt und Futterplätze präzise aufgesucht werden könnten, wenn so ein Teil nicht erstens sauteuer, zweitens schwer zu beschaffen, drittens sperrig und viertens –besonders grausam und schon bei Futterkellen daneben- !orange! wäre. Also selbst ist der Mann, der noch folgendes braucht:
MaterialDeluxe- Version
1 Eimer (mit Deckel!)
1 (Plexi-)Glasplatte
1 Kleber (Epoxy Zwei Komponenten)
1 Schutzbrille
Edding
Stichsäge
Cutter
SchmirgelpapierLack (schwarz matt)
Gartengeräteklemme
Taschenlampe
Kabelbinder
So, und jetzt geht es los wie beim Montagen binden!
Schritt 1:
Zuerst schneiden wir mit Stichsäge oder Cutter den Boden aus dem Eimer. Wer jetzt schon los geschnitten hat, ärgert sich, dass er außen nicht die eineinhalb Zentimeter Rand stehen gelassen hat, auf den nachher die Scheibe geklebt wird. Deshalb danach den Rand glätten.
Jetzt kann man den Eimer für beste Sicht innen noch mattschwarz streichen.
Schritt 2:
Den Eimer auf eine Plexiglasplatte setzen und umzeichnen. Die Schutzfolie vom Glas entfernen, um unsaubere Schnittkanten und Splitterungen zu vermeiden und die Glasplatte innen(!) an der Markierung aussägen. Wer einen Glaser kennt, sollte wegen Haltbarkeit und Optik unbedingt Glas bevorzugen. Alle anderen müssen eben pfleglich mit ihrem guten Stück umgehen…
Schritt 3:
Wir rühren sodann den Kleber an und tragen ihn auf den stehen gelassenen Eimerrand !innen! auf. Auf den Kleber drücken wir dann die Glasplatte! Hier
auf Dichtigkeit achten und eventuelle Kleberreste sofort entfernen. Ganz Vorsichtige oder Leute mit tattrigen Fingern können noch zur Sicherheit mit einer zweiten Kleberschicht abdichten
Schritt 4:
Die Schutzbrille MUSS schwarz gestrichen werden, damit seitliche Sonneneinstrahlung keine Reflexionen verursachen kann. Reiche oder Tackleprotzer kleben hier natürlich statt des ordinären Arbeitszeugs eine Tauchmaske ein… (dann kann man aber ebenso gut das Aquascope kaufen…) Nach dem Streichen entfernen wir das Plastiksichtfenster aus der Schutzbrille, zeichnen innen die Brillenkonturen auf den Eimerdeckel nach.
Schritt 5:
Den Brillenrand mit Kleber bestreichen, Brille aufkleben, den Deckel auf den Eimer
Schritt 6:
Um sich etwas mehr Durchblick auch an trüben Tagen, Sonnenauf- oder Untergängen (wer beködert dann eigentlich neu…?) zu verschaffen, kann man das Ganze aber noch aufpeppen: Dafür befestigen wir mittels zweier Löcher in der Eimerseite und einem Kabelbinder einen Klemmhalter für Gartengeräte. Die Löcher dabei nicht zu tief setzen, damit kein Wasser eindringen kann. In die Klemme stecken wir eine Taschenlampe, deren Kopf direkt auf das Eimerglas gesetzt wird.
Dieses simple Teil bringt meiner Meinung nach mehr Fisch als die vierte Sensibilitätsstufe beim Pieper, birgt aber auch zwei Risiken: Zum einen kann man als vom Tütennudelansitz in die Breite gewachsener Bootsklops schnell mal die Eskimorolle proben . Zum anderen wirkt ein Erwachsener im Zwergenboot mit einem Eimer vorm Gesicht nicht unbedingt seriös auf Zuschauer…. Aber wer hat die schon!
Den vollen Durchblick wünscht
Christian Stindt