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Boilieherstellung


Sinnvolle Boilie-Herstellung

Ich möchte hier mal Fakten auf den Tisch legen und erläutern, ob es für den Einzelnen überhaupt in Frage kommt, seine Boilies selbst herzustellen. Oder ist der Markt, der den Anglern zur Verfügung steht, so vielfältig, dass niemand überhaupt einen vernünftigen Grund hat, sich die Arbeit zu machen, einen besonders ansprechenden Boilie herzustellen, der unseren besonderen Ansprüchen entspricht?

Fakt ist, will man Boilies herstellen, benötigen wir schon einiges an Geräten. Außerdem sollte jeder sich vorher mit den Zutaten, die im Mix verarbeitet werden und über Eigenschaften der Mischungsverhältnisse erkundigen. Sonst könnte alles schon vorher zum Scheitern verurteilt sein.

Über die herzustellende Menge sollte sich auch jeder Gedanken machen, denn hier gibt es einiges zu bedenken. Falls größere Mengen produziert werden sollen, ist die Anschaffung von geeignetem Gerät unumgänglich. Nur mit den richtigen Maschinen macht es Sinn, vielleicht mal 50 Kg oder sogar noch größere Portionen zu verarbeiten. Da diese Maschinen sicher nicht in die Küche passen, muss ein Raum zur Verfügung stehen, der zugleich auch gut belüftet werden kann. Denn beim Kochen entstehen Dünste, die auch irgendwie entweichen müssen. Das kommt aber erst in Frage, wenn ihr wirklich größere Mengen verarbeiten wollt.
Aber was braucht man eigentlich, wenn z.B. ca. 5kg oder noch weniger Mix verarbeitet werden sollen? So kleine Mengen lassen sich noch relativ leicht mit günstigem Gerät bewältigen. Und außerdem ist es dann auch möglich, in einer kleinen Werkstatt oder auf der Terrasse den Mix zu verarbeiten.

Schritt 1: Zum kneten des Teiges braucht man nur eine Handbohrmaschine mit einem passendem Rührkorb. Das funktioniert aber nur bis zu einer bestimmten Konsistenz - der Rest wird nun noch von Hand weiter bearbeitet.(Hierbei ist natürlich Muskelkraft angesagt) Jeder, der schon mal so ca. 5Kg Teig verarbeitet hat, weiß wovon ich spreche. Aber es geht! Mit einer Küchenmaschine werdet ihr nicht weit kommen, da der Teig einfach zu zäh ist. Früher oder später wird die Maschine den Geist aufgeben.

Schritt 2: So - nun braucht ihr noch die passenden Würstchen: Dazu kann man eine Kartuschenpresse aus dem Baumarkt nehmen ( Die kostet keine 20€). Diese Pressen werden per kräftigem Druck mit der Hand betätigt. Um sich alles etwas angenehmer zu gestalten, sollte der Teig etwas geschmeidiger beschaffen sein. Eventuell hilft auch etwas Speiseöl, das man gelegentlich in die Presse gibt oder schon im Vorfeld den Eiern zufügt. Oft reicht davon schon ein kleiner Schuss.

Schritt 3: Zum Abrollen braucht ihr einen Mammutroller, der ist auch nicht sonderlich teuer ist (so ca. 20€). Der eignet sich auch für größere Mengen. Ich selbst habe damit am Tag schon etwa 100 Kg abgerollt. Diese Boilies hatten aber alle einen Durchmesser von 20mm; bei kleineren Boilies dauert dieser Vorgang natürlich länger.

Schritt 4: Das Kochen: Hierfür könnt ihr an Mutters Herd gehen (wenn sie nicht zu Hause ist - Dies war keine Erlaubnis von mir, möchte ich nur ausdrücklich betonen!!) Besser nehmt ihr einen Gaskocher; noch besser ist ein Benzinkocher, da er oft mehr Leistung hat und geht damit nach draußen. Der entstehende Geruch beim Kochen könnte dazu führen, wenn ihr es im Haus durchführt, dass es schnell mit dem Familienfrieden vorbei wäre!!! Wichtig ist, nicht zu viele Boilies ins kochende Wasser zu geben. Die ideale Menge erkennt man daran, dass beim Eingeben ins kochende Wasser dies nicht aufhört zu sprudeln. Ein Gaskocher ist oft schon für unter 20€ zu haben, hingegen kostet ein guter Benzinkocher schon so ca.70€. Ein alter Kochtopf findet sich oft noch im eigenen Haushalt.

Schritt 5: Das Trocknen: Diese kleinen Mengen legt ihr auf ein ausgedientes Bettlaken oder auf alte Handtücher. Nicht vergessen, die Boilies 2 bis 3 mal täglich zu wenden, damit die zukünftigen Köder auch richtig durchtrocknen. Etwa nach 2 bis 3 Tagen sind sie fertig.

Schritt 6: Das Einfrieren: Nun können die Köder portionsgerecht eingetütet werden, um sie anschließend einzufrieren. Platz für ein paar Kilo Boilies ist in fast jeder Truhe.

So- das wäre die Möglichkeit, kleine Mengen herzustellen - Nun möchte ich euch mal den Unterschied aufzeigen, große Mengen zu verarbeiten!

Schritt 1: Das Kneten: Um eine Menge von 20 oder 30Kg durchzukneten habe ich mir vor 10-12 Jahren eine Hubknetmaschine zugelegt. Ihr könnt mir glauben, diese Anschaffung war zwar nicht ganz günstig, aber ich würde sie nie wieder hergeben. Selbst Mixe mit einem hohen Fischmehlanteil, werden so genial geknetet, man kommt aus dem Staunen nicht wieder raus, einfach nur klasse. Das beste daran ist, nicht eine Schweißperle und auch keinen Muskelkater am nächsten Tag zu spüren. So eine Maschine kostet gebraucht oft mehr als 500€, was auch sicherlich nicht übertrieben ist.

Schritt 2: Die Herstellung der Würste in kleinen Mengen war noch kein Problem. Aber jetzt 20 oder 30Kg sind nicht mehr mit der Handpresse zu bewältigen. Hier sorgt eine Druckluftpresse für Abhilfe. Ihr seht, es gibt für alles eine angenehmere Lösung. Mit dieser Presse lassen sich auch weniger geschmeidige Teige problemlos zur Wurst verarbeiten. Ich habe auch mal einen Versuch gestartet, den Teig durch einen Fleischwolf mit Motorantrieb zu verarbeiten. Es hat auch funktioniert, aber ging nur sehr langsam voran. Die Presse erwies sich also als die bessere Lösung. Der Preis für eine Druckluftpresse liegt bei ca. 120-300€ - kommt auf die Größe und natürlich auch auf die Qualität an.

Schritt 3: Das Abrollen: Wie bei der günstigen Variante, geht’s auch hier mit dem Mammutroller. Da ich aber von Natur aus bequem bin und alles noch etwas verbessern wollte, legte ich mir eine Boiliemaschine zu. Ich sehe es schon in euren Gesichtern (grins): Ihr denkt sicherlich, ist das ein fauler Hund… - mir doch egal! Spaß bei Seite, diese Maschine ist in der Lage, in einer Stunde mindestens 30kg Teigwürste zu Boilies abzurollen. Auch hierbei ist keine Muskelkraft mehr notwendig. Man sieht die Knödel nur so aus der Maschine rollen. Boilies herzustellen, kann so fast zur Sucht werden. Diese Maschinen haben aber auch ihren Preis: unter 500€ bekommt man nur sehr bedingt funktionierende Geräte. Wenn ihr euch für so eine Maschine entscheidet, ist es besser, sich gleich was Vernünftiges zuzulegen, sonst macht diese Anschaffung absolut keine Freude.

Schritt 4: Der Kochvorgang ist bei diesen Mengen mit einem kleinen Topf nicht mehr wirtschaftlich. So muss erst mal was her, das mehr Power hat. Ich verwende hierfür eine Doppelfriteuse aus einer Großküche. Damit geht’s schon recht anständig voran. Nachteil hierbei ist der sehr hohe Stromverbrauch. Bei mir in der Boilieküche kann es schon einmal vorkommen, dass die Lampen anfangen zu flackern. Daran merkt man schon mal, dass die Leitungen sehr überlastet sind. Auf Dauer werde ich umsteigen; die nächste Anschaffung wäre eventuell ein gasbetriebener Kochkessel oder einfach ein Hockerkocher und dazu ein Topf mit einem Fassungsvermögen nicht unter 60 Liter. Der Anschaffungspreis einer gebrauchten Industriefriteuse liegt bei etwa 100 €. Bei der Friteuse sollte man auf das Volumen des Behälters achten. Ist er zu klein, kühlt das Wasser zu schnell ab, falls mal eine zu große Menge Boilies ins kochende Wasser gegeben wird.

Schritt 5: Zum Trocknen verwende ich selbst gebaute Holzrahmen, auf die ich Kükendraht gezogen habe. Diese Rahmen sind ca. 2qm groß, worauf etwa 15 kg Boilies getrocknet werden können. Der Vorteil dieser Rahmen ist, dass die Boilies von allen Seiten trocknen können, ohne dass man sie täglich mehrmals wenden muss. Nach etwa 2-3 Tagen können unsere Köder portionsweise eingetütet und eingefroren werden. Bei diesen Mengen ist die Anschaffung einer zusätzlichen Truhe unumgänglich, denn bei ca. 20-30Kg oder noch mehr Boilies wird’s schon sehr eng in Mutters Truhe.

Ich hoffe, euch hiermit deutlich gemacht zu haben, welche großen Unterschiede es bei der Boilieherstellung gibt. Jedem sollte es klar geworden sein, dass es nicht ganz ohne finanziellen Aufwand und einem gewissen Grad an Erfahrung geht. Für die Leute, die vielleicht nur selten oder mit überschaubaren Mengen von Boilies auf Karpfen fischen, stellt sich sicherlich kaum die Frage, seine eigenen Boilies herzustellen. Denn dafür gibt es genügend andere Alternativköder und es spielt auch keine große Rolle, wenn mal ein Fertigboilie eingesetzt wird. Der Grund für mich, weswegen ich nicht auf einen Fertigboilie zurückgreife, ist, dass ich mich selbst davon überzeugen möchte, dass nur frische und hochwertige Zutaten im Mix enthalten sind. Hinzu kommt noch ein finanzieller Vorteil: Trotz ausgesuchter, frischer Produkte, liegt der Preis bei ca. 4€ je Kg. Auch ein fertiger Mix von einer Baitfirma kommt für mich nicht mehr in Frage, weil mir mittlerweile die Einzelbestandteile einfach zu wichtig sind. Wer garantiert mir denn heute noch, dass wirklich nur frische Zutaten im Fertigmix enthalten sind - Ich denke in diesem Zusammenhang an die Skandale in der wesentlich besser kontrollierten Fleischindustri; vielleicht ist es auch nur sehr weit hergeholt...
Dann wäre mir der Aufwand doch zu schade, und ich besorge mir selbst die Zusätze. Auch Konservierer kommen nicht in meine Boilies, da es bis heute noch keine geschmacksneutralen Zusätze gibt. Diese würden mir das Vertrauen in meine Boilies nehmen und darüber möchte ich nicht am Wasser nachdenken. Viel wichtiger ist es dann, seine ganze Aufmerksamkeit dem Angeln zu widmen. Es gibt wahrscheinlich nichts Schlimmeres, als ein ganzes Wochenende am Wasser zu sitzen und darüber nachzudenken, ob der Karpfen wohl überhaupt Boilies der Firma XY mag. Wenn ihr erstmal mit diesen Gedanken gespielt habt, kann das nur von Nachteil sein und ihr macht euch zu wenig Gedanken ums Wesentliche. Ich zähle hier mit Absicht keine Rezepte auf, da es mittlerweile genug Material auf sämtlichen Internetseiten gibt. Lasst euch nicht verrückt machen und geht mit Verstand an die Sache ran. Es gibt so viele verschiedene Mischungen, die ihr ausprobieren könnt, aber konzentriert euch erstmal auf eine. Ich kann es aber nicht oft genug sagen, verwendet nur frische und hochwertige Zutaten und der Erfolg wird nicht lange auf sich warten lassen.
Und glaubt mir, jeder so selbst hergestellte Boilie fängt besser als einer aus der Tüte.



Thomas Streekmann